Der Wert eines Index in der Schweinegenetik

In der Schweineproduktion ist die genetische Verbesserung ein zentraler Faktor für Rentabilität und Produktivität. Ein genetischer Index ist ein wichtiges Werkzeug, das Schweineproduzenten die Entscheidungsfindung erleichtert, da er eine klare Messgröße für das genetische Potenzial eines Tieres bietet. Dieser Artikel erklärt das Konzept und die Bedeutung eines Index zur Optimierung der Schweineproduktion.

Was ist ein Indexpunkt?

Ein Indexpunkt ist ein numerischer Wert, der das genetische Potenzial eines Tieres vorhersagt, indem er verschiedene Merkmale kombiniert. Ein PIC-Index berücksichtigt beispielsweise über zwanzig Faktoren wie Wachstumsrate, Futterverwertung und Reproduktionsleistung. Jedes Merkmal wird nach seiner wirtschaftlichen Bedeutung gewichtet, sodass ein einzelner Wert entsteht, der die potenzielle Rentabilität eines Tieres widerspiegelt. Dieses Verfahren stellt sicher, dass Tiere anhand ihres Beitrags zum Gesamterfolg eines Produktionssystems bewertet werden.

Der Index vereinfacht den Vergleich zwischen Tieren und ermöglicht dem Züchter und Sauenhalter, fundierte Entscheidungen schnell zu treffen. Ein höherer Index steht für ein größeres genetisches Potenzial und damit für eine höhere Rentabilität.

Unterschiede zwischen Indizes für Mutter- und Vaterlinien

Genetische Indizes werden so angepasst, dass sie die unterschiedlichen Rollen von Endstufeneberlinien und Mutterlinien widerspiegeln. Endstufeneberlinien werden in erster Linie auf Wachstumsleistung und Schlachteigenschaften hin bewertet, während Mutterlinien anhand von Reproduktionsleistung, Robustheit und Ferkelüberlebensrate beurteilt werden.

Bei maternalen Indizes stehen Merkmale wie die Anzahl der geborenen Ferkel, das Geburtsgewicht und die Reproduktionsleistung im Fokus. Dennoch spielt effizientes Wachstum eine wichtige Rolle, um sicherzustellen, dass auch die Mutterlinien die Gesamtproduktivität positiv beeinflussen.

„Der maternale Index legt großen Wert auf Reproduktionsmerkmale wie die Anzahl der geborenen Ferkel und die Robustheit der Sau, berücksichtigt aber dennoch ein effizientes Wachstum“, erklärt Craig Lewis, Genetic Service Manager PIC Europa.

Wie werden Indizes berechnet und warum ändern sie sich im Laufe der Zeit?

Indizes sind dynamisch und werden regelmäßig – bei PIC wöchentlich – aktualisiert, um die neuesten genetischen Informationen zu berücksichtigen. Sie integrieren Daten des Tieres selbst, seiner Verwandten und genomische Analysen. Durch diesen Ansatz wird eine kontinuierliche genetische Verbesserung sichergestellt, mit durchschnittlichen jährlichen Zuwächsen von etwa zwanzig Punkten. Dies führt zu einer geschätzten Steigerung der Rentabilität von über 3 € pro Mastschwein jedes Jahr (Annahme: Vollgenetik PIC).

Gut zu wissen: Der Vorteil des GNX-Programms

Eine wichtiges Werkzeug von PIC ist das GNX-Programm, das die Lücke zwischen Kernzucht- und kommerzieller Produktion schließt. Das GN steht hier für Genetischer Nukleus und das X symbolisiert die Kreuzungsanpaarung. Im Gegensatz zur traditionellen genetischen Selektion sammelt dieses Programm Leistungsdaten aus kommerziellen Betrieben – genau den Umgebungen, in denen sich die Nachkommen der zur Zucht selektierten Tiere letztendlich bewähren müssen. Diese Daten umfassen Merkmale wie Überlebensrate vom Absetzen bis zur Schlachtung, Anomalien und Schlachtkörperqualität.

„Indem wir Daten aus kommerziellen Betrieben vor der endgültigen züchterischen Entscheidung einbeziehen, stellen wir sicher, dass die ausgewählten Reinzuchttiere für reale Produktionsumgebungen optimiert sind“, erklärt Craig Lewis.

Dieser Ansatz ermöglicht es PIC, das genetische Potenzial von Ebern und Sauen unter realen Bedingungen zu validieren, wodurch der Index noch aussagekräftiger und zuverlässiger für die Praxis wird. Das GNX-Programm zeigt, wie PIC seine züchterischen Selektionsprozesse kontinuierlich verbessert, um die Rentabilität der Kunden zu maximieren.

Die gleitende Basis bei der Indexberechnung

Ein zentrales Konzept bei der Indexberechnung ist die Verwendung einer gleitenden Basis. Diese Methode kalibriert den Index jede Woche neu, indem Tiere mit dem durchschnittlichen genetischen Wert der Tiere, die in den vergangenen zwei Jahren selektiert wurden, verglichen werden. Heißt, die Basis, mit der das einzelne Tier verglichen und entsprechend rangiert wird, verschiebt sich jede Woche um eine Woche. Deshalb sehen wir bei älteren Tieren eine Abnahme ihres Indexwerts, wenn sich der durchschnittliche genetische Wert der Population verbessert – nicht, weil sie genetisch schlechter sind, sondern weil der Vergleichsmaßstab aufgrund der überlegenen Genetik jüngerer Generationen gestiegen ist.

„Mit der Zeit sinkt der Indexwert eines Tieres einfach deshalb, weil bessere, in der Regel jüngere, Genetik in der Basis berücksichtigt wird“, erklärt Craig Lewis. „Das bedeutet nicht, dass das Tier schlechter ist – es ist vielmehr ein Zeichen für den Fortschritt der genetischen Verbesserung in der Linie.“

Durch die gleitende Basis bleibt der Index eine relevante und effektive Bewertungsmethode für genetisches Potenzial im Vergleich zu aktuellen Anforderungen.

Wirtschaftlicher Wert eines Indexpunkts

Der wirtschaftliche Wert eines Indexpunkts ergibt sich aus dem Vergleich von Tieren mit hohen und niedrigen Indexwerten. Tiere mit höheren Indexwerten weisen in der Regel überlegene Merkmale wie schnelleres Wachstum und bessere Futterverwertung auf, was Kosten senkt und Einnahmen steigert. Jeder einzelne Indexpunkt eines PIC-Index trägt etwa 0,20 € zum wirtschaftlichen Wert bei, wobei sich dieser Wert auf die Beiträge von Vater- und Mutterlinien verteilt.

Um den Wert eines Indexpunktes zu ermitteln, berechnet man die genetischen Unterschiede zwischen Gruppen von Tieren mit hohen und niedrigen Indexwerten. Die geschätzten Zuchtwerte (EBV) für alle Merkmale im Index – darunter Anzahl der geborenen Ferkel, Saugferkelverluste, Umrauscher, Futtereffizienz, Wachstumsrate, Rückenspeckdicke und viele weitere – werden mit ihrem wirtschaftlichen Einfluss gewichtet. Die Differenz in der wirtschaftlichen Leistung zwischen diesen Gruppen wird durch die Differenz in ihren Indexpunkten geteilt, um den Wert eines einzelnen Indexpunkts zu bestimmen.

„Wir validieren den Wert eines Indexpunkts in kommerziellen Betrieben, indem wir die Leistung von Tieren mit hohen und niedrigen Indexwerten vergleichen“, erklärt Sara Trittmacher, Genetic Service Spezialist PIC Deutschland.

Praktische Anwendungen für Produzenten

Indexpunkte liefern wertvolle Erkenntnisse, die Produzenten bei strategischen Entscheidungen in den Bereichen Zucht, Selektion und Herdenmanagement unterstützen. Durch die gezielte Nutzung von Tieren mit hohen Indexwerten können Betriebe das genetische Potenzial ihrer Herde systematisch verbessern.

Auf Indexwerten basierende Leitlinien helfen den Sauenhaltern, die wertvollsten Tiere für die Zucht und die richtigen Tiere für die Schlachtung zu identifizieren. Beispielsweise könnten Tiere im oberen 15 % der Index-Rangliste bevorzugt für Reinzuchtpaarungen eingesetzt werden, um den genetischen Fortschritt zu maximieren. Im Gegensatz dazu könnten Tiere im unteren 10 % zur Schlachtung empfohlen werden, um sicherzustellen, dass nur die beste Genetik die nächste Generation beeinflusst.

Wöchentliche Feedbackberichte aus der PIC-Genetik-Datenbank PIC®traq ermöglichen Sauenhaltern die Bewertung ihrer Selektionsentscheidungen und das Monitoring ihres Fortschritts in Richtung langfristiger Ziele. Diese Tools ermöglichen datenbasierte Entscheidungen, die den betrieblichen Zielen entsprechen.

Ein Werkzeug für kontinuierliche Verbesserung

Der Indexpunkt ist die Maßzahl für die kontinuierliche genetische und wirtschaftliche Verbesserung. Durch die Kombination genetischer Daten mit wirtschaftlichen Faktoren hilft dieses Werkzeug Sauenhaltern, die Produktivität und Rentabilität in der Schweineproduktion zu steigern. Indexpunkte sind nicht nur Zahlen – sie sind eine Indikator für eine nachhaltigere und profitablere Zukunft.

„Je höher der Index, desto größer das genetische Potenzial eines Tieres“, fasst Sara Trittmacher zusammen. „Das stellt sicher, dass Produzenten sich auf das konzentrieren können, was wirklich zur Rentabilität beiträgt.“